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Alle vier bis fünf Minuten laufen ca. 80 kg Feuchtwischbezüge und Mikrofasertücher durch die vollautomatische Waschstraße. Foto: Integratex

Alle vier bis fünf Minuten laufen ca. 80 kg Feuchtwischbezüge und Mikrofasertücher durch die vollautomatische Waschstraße. Foto: Integratex

28. Mai 2019
Allgäuer Pilotprojekt: Inklusionswäscherei für Reinigungstextilien

Mensch und Hygiene stehen im Mittelpunkt

Start frei für ein regionales Pilotprojekt: Die neu gegründete Integratex gGmbH ist die bayernweit erste inklusive Spezialwäscherei für Reinigungstextilien, wie Mikrofasertücher und Wischbezüge. Am Firmensitz in Dietmannsried, Allgäu, arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung auf Augenhöhe zusammen. Gegründet wurde das gemeinnützige Unternehmen von den Allgäuer Werkstätten, Kempten, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung, und der KDS Services für Gesundheit und Pflege, Dietmannsried.

"Wir sind mit großer Euphorie gestartet und sind jetzt fleißig am Waschen für unsere Kunden. Mit gut einer Tonne Wäsche pro Tag, die bei uns durch die Waschstraße läuft, haben wir einen guten Anfang gemacht und sind für weitere Aufträge bereit", zieht Claudia Speiser, Betriebsleitung der Integratex gGmbH, positiv Fazit. Das gemeinnützige Unternehmen hat sich auf die hygienische Aufbereitung von Reinigungstextilien spezialisiert. Bei Integratex arbeiten Menschen mit und ohne Beeinträchtigung kollegial auf dem regulären Arbeitsmarkt zusammen. "Alle Mitarbeiter sind total motiviert und gerade auch unsere beiden Angestellten mit Behinderung bringen sich toll ein", freut sich Speiser. Untergebracht ist die inklusive Spezialwäscherei auf knapp 600 Quadratmetern im Untergeschoss des neuen KDS Campus.

Insgesamt sechs Angestellte arbeiten derzeit bei Integratex – vier Menschen ohne Beeinträchtigung und zwei mit Schwerbehinderung: ein Gehörloser und ein Mann mit Spastik an Armen und Beinen. Nach den ersten Wochen Anlaufphase will Speiser die Anzahl der Mitarbeiter weiter aufstocken. Langfristig sollen insgesamt 20 Menschen in der Spezialwäscherei arbeiten. Integratex hat sich dabei eine klare Quote zum Ziel gesetzt: 40 zu 60. Das heißt, 40 Prozent der Arbeitsplätze sollen für Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung frei sein, um ihnen einen dauerhaften Arbeitsplatz am ersten Arbeitsmarkt zu bieten. Jeder Mitarbeiter mit Beeinträchtigung bekommt bei Bedarf einen auf seine individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen Arbeitsplatz.

Die Idee für Integratex, Bayerns erster inklusiven Spezialwäscherei für Reinigungstextilien, kam von Ulrich Geiger, Geschäftsführender Gesellschafter der Lattemann & Geiger Dienstleistungsgruppe, zu der auch die KDS gehört. "Als Komplettanbieter, unter anderem für Kliniken, habe ich den Bedarf am Markt schon lange erkannt. Die Aufbereitung der Reinigungstextilien wollte und will keine Wäscherei so wirklich übernehmen. Es ist aufwändig und kompliziert und das ist vielen Wäschereien lästig. Genau darauf, auf die Aufbereitung der Reinigungstextilien, haben wir uns jetzt spezialisiert und besetzen damit eine gefragte Nische". 

Nicht nur bei den Kunden, sondern auch bei den potenziellen Mitarbeitern ist Integratex bereits heiß begehrt. "Viele Leute in unseren Werkstätten sind schon sehr gespannt und wollen unbedingt ein Praktikum in der Spezialwäscherei machen, um später dort arbeiten zu können", erklärt Karl-Heinz Häfele, Geschäftsführer der Integratex gGmbH sowie Prokurist und Werkstattleiter Hauptwerkstätte und Förderstätte bei den Allgäuer Werkstätten.

Zusammen mit der KDS hat er sich auf das Abenteuer "Integratex" eingelassen – auch, wenn der Start anfangs etwas holprig war. "Als Herr Geiger das erste Mal mit der Idee auf mich zukam, habe ich glatt abgelehnt. Wir hatten zuvor noch nie ein Projekt zusammen mit einem Unternehmen aus der freien Wirtschaft gemacht. Und dann auch noch die Spezialisierung auf Reinigungstextilien. Da war ich erst mal etwas skeptisch", räumt Häfele seine anfänglichen Zweifel ein. "Letztendlich hat mich das Konzept aber überzeugt".

"Mit unserem gemeinsamen Projekt Integratex wollen wir zu einem besseren Miteinander in der Gesellschaft beitragen. Dazu gehört auch, dass alle Menschen – mit und ohne Behinderung – zusammen am ersten Arbeitsmarkt arbeiten können und sich auf Augenhöhe begegnen", betont Geiger. Inklusionsunternehmen wie Integratex übernehmen eine Brückenfunktion zwischen den Arbeitsplätzen in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung und dem allgemeinen Arbeitsmarkt. "Damit echte Inklusion gelingen kann, sehe ich ganz klar die freie Wirtschaft in der Verantwortung. Die KDS Services für Gesundheit und Pflege ist hier ein Vorbild für andere Unternehmen aus der Region", appelliert Häfele. (jm)